Leistungswerte selbst ermitteln statt abschreiben
· 6 Minuten Lesezeit
Ein Leistungswert sagt, wie viele Quadratmeter einer bestimmten Art eine Reinigungskraft in einer Stunde schafft, geschrieben als m²/h oder qmh. Die Frage nach der richtigen Zahl bekommen wir dauernd gestellt. Die ehrliche Antwort ist unbequem: Es gibt keine, die für euren Betrieb stimmt, solange ihr sie nicht selbst gemessen habt.
Warum fremde Werte nicht passen
Leistungswerte kursieren in Merkblättern, Schulungsunterlagen und Tabellen aus dem Netz. Sie sind nicht falsch, aber sie beschreiben einen anderen Betrieb als euren. Derselbe Büroflur läuft unterschiedlich schnell, je nachdem, ob mit Wischmopp oder Flachmoppsystem gearbeitet wird, ob die Kraft eingearbeitet ist oder in der zweiten Woche steht, ob das Reinigungswagen-Setup stimmt und wie streng eure Qualitätsvorgabe ist.
Wer mit fremden Werten kalkuliert, kalkuliert einen fremden Betrieb. Das geht in beide Richtungen schief: Zu hohe Werte gewinnen den Auftrag und verlieren Geld, zu niedrige verlieren den Auftrag.
Was den Wert überhaupt treibt
- Die Raumart. Der stärkste Hebel. Ein Sanitärraum liegt um ein Vielfaches unter einer offenen Verkehrsfläche, weil dort Objekte gereinigt werden und nicht Fläche.
- Die Verstellung. Dieselbe Quadratmeterzahl als Großraum oder verteilt auf zwölf Einzelbüros mit Schreibtischbeinen sind zwei verschiedene Aufgaben.
- Der Bodenbelag. Wirkt weniger stark als oft angenommen, aber messbar. Naturstein und strukturierte Fliesen kosten mehr Zeit als glatter Vinylboden.
- Die Wegezeit. Gehört streng genommen nicht in den Leistungswert, wird aber ständig hineingerechnet. Bei verstreuten Kleinflächen ist sie der eigentliche Kostentreiber.
- Das Intervall. Ein Raum, der täglich gereinigt wird, ist schneller fertig als derselbe Raum im Wochenrhythmus. Sichtreinigung und Vollreinigung brauchen getrennte Werte.
Eigene Werte in drei Schritten
Ihr braucht keine Stoppuhr-Wissenschaft. Eine belastbare Ausgangsgrundlage entsteht in wenigen Wochen nebenher.
| 1. Zeit erfassenIn einem bekannten Objekt für eine Raumgruppe die reine Reinigungszeit notieren, ohne Wege und Rüstzeit. Mindestens fünf Durchgänge, verschiedene Kräfte, verschiedene Wochentage. |
| 2. UmrechnenFläche geteilt durch die gemessene Zeit ergibt m²/h. Aus 84 m² in 24 Minuten werden 84 / 0,4 = 210 m²/h. Nehmt den Median, nicht den Mittelwert, ein einzelner Ausreißer verzerrt sonst alles. |
| 3. GegenrechnenDen Wert in ein bestehendes, auskömmliches Objekt einsetzen. Kommt eure tatsächliche Einsatzzeit heraus, stimmt er. Weicht er stark ab, fehlt meist die Wegezeit oder eine Raumgruppe ist falsch zugeordnet. |
Der Gegenrechen-Schritt ist der wichtigste
Messen kann jeder. Der Wert wird erst belastbar, wenn er ein Objekt trifft, dessen Ergebnis ihr kennt. Nehmt ein laufendes Objekt, bei dem ihr wisst, dass es sich rechnet und dass die Qualität stimmt. Rechnet es mit den neuen Werten durch. Landet ihr bei der Einsatzzeit, die dort tatsächlich anfällt, habt ihr eine Grundlage. Landet ihr zwanzig Prozent daneben, habt ihr eine Zahl, die im nächsten Angebot Geld kostet.
Wo Richtwerte trotzdem helfen
Als Startpunkt, nicht als Ergebnis. Wer noch gar keine eigenen Daten hat, nimmt veröffentlichte Richtwerte aus Verbands- und Schulungsunterlagen, kalkuliert damit vorsichtig und ersetzt sie Objekt für Objekt durch gemessene Werte. Nach dem dritten Objekt sind die eigenen Zahlen besser als jede Tabelle.
Genau deshalb bringt ZITA keine festen Branchenwerte mit, mit denen ihr rechnen müsst. Leistungswerte, Lohngruppen, Stundensätze und die Deckungsbeitragsstaffel liegen in euren Einstellungen, und jedes Projekt merkt sich die Werte, mit denen es kalkuliert wurde.
Wie der Leistungswert dann in den Preis läuft, steht im Beitrag zur Kalkulation. Wo die Flächen herkommen, im Beitrag zum Raumbuch.
Verantwortlich für den Inhalt nach § 18 Abs. 2 MStV: Benjamin Volk. Der Beitrag gibt den Stand zum genannten Datum wieder und ersetzt keine Beratung im Einzelfall.